07.02.2008
Porträt Jürgen Werth
Der Mitfünfziger sitzt in seinem Büro beim Evangeliums-Rundfunk (ERF) in Wetzlar und blickt einen Augenblick versonnen durch die Brille auf die Straße, den Berliner Ring. Seit 1973 hat er hier im mittelhessischen Wetzlar seinen Arbeitsplatz.
Eben nimmt er einen Schluck Kaffee um gleich darauf den Telefonhörer beim Klingeln abzunehmen, tippt in seinen Computer einen weiteren Konzerttermin, formuliert an einer Sendung fürs Radio oder bereitet sich gerade auf eine Fernsehsendung vor. Jürgen Werth, Jahrgang 1951, ist in Sachen Medien und Musik ein Multitalent.
Angefangen hat das bereits in der Kindheit. Vor allem sein Klassenlehrer Ulbrich in der Knapper Schule in Lüdenscheid hat das musikalische Talent gefördert. Abends wurde die Bettdecke zum Radiostudio. Heimlich sagte er die Vor- und Nachnamen bekannter Schlagerstars im Dunkeln auf. „Dort habe ich immer Radio gespielt“, erinnert sich der heutige ERF Direktor an seine Kindheit. In der Phantasie gründete er seinen eigenen Radiosender, das „RDU“, Radio der Unterhaltung. Den Sendernamen hatte er sich als Grundschüler selbst ausgedacht. Sein Kindheitstraum wurde wahr.
Geprägt haben ihn die Kinder- und Jugendgruppen im heimischen Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM).
Als 15jähriger sang er Lieder gegen Spießertum und Ungerechtigkeit, gegen Krieg und Establishment. Längst war er zum Liedermacher geworden, der in immer neuen Worten das niederschreibt, was er empfindet.
Fast wäre aus dem talentierten jungen Westfalen ein Beamter geworden. 1966 nach der Mittleren Reife wollte er Inspektorenanwärter bei der Stadtverwaltung werden. Den Eignungstest hatte er bereits hinter sich gebracht und alles war unter Dach und Fach.
Zuvor ging es noch auf eine Freizeit mit dem CVJM nach Südtirol. Dort nahm ihn ein Freund und CVJM-Kamerad, der heutige Leiter des Amtes für Missionarische Dienste der westfälischen Kirche, Pfarrer Klaus Jürgen Diehl, auf die Seite und redete intensiv auf ihn ein. „Bist du eigentlich verrückt, Du und Beamter, das passt nicht“, sagte er dem 15-Jährigen. Er solle Abitur machen und Theologie studieren. So holte Werth das Große Latinum innerhalb eines Jahres nach. Doch mit dem Abiturzeugnis in der Hand schlug er nicht den Weg in die Theologie ein sondern in den Journalismus. Sein Volontariat absolvierte er bei der Westfälischen Rundschau. Danach wollte er zu einer kirchlichen Wochenzeitung wechseln. Doch ein Einstellungsstopp verhinderte dies. 1973 führte der Weg des gerade frisch verheirateten Journalisten nach Wetzlar zum ERF.
In all den Jahren bis heute hat er das Singen und das Liederschreiben nicht gelassen. „Das Entstehen eines Liedes ist ein Geschenk des Schöpfers“, sagt Werth, der seine Sicht der Welt, kleine Alltagserlebnisse und große Einsichten, Gotteserkenntnis und seinen Blick auf die Menschen in immer neue Worte kleidet. Dabei sieht er die Möglichkeiten und Grenzen durch eine intellektuelle Brille, schürft ein wenige tiefer. Unverbrauchte Bilder und überraschende Sprachpointen sind seine Markenzeichen. Der dreifache Vater und ebenso dreifache Großvater hat über Jahre auch die Erlebnisse in seiner Familie in Texte und Noten gepackt, auf Bühnen und CD’s zum Besten gegeben.
Das „etwas tiefer Graben“ prägt auch seine Arbeit, seinen Einsatz in Gremien. Er ist nicht der Macher, der schnell eine Entscheidung durch drückt. Vielmehr sucht er die Mitarbeiter für seinen Weg zu gewinnen, Vorstände und Kollegen für seine Sicht zu begeistern. Nicht das „Basta â€" so wird’s gemacht“ ist seine Stärke sondern der Weg des Abholens. Auch wenn jemand in Frontstellung gegangen ist.
Mit seiner angenehm klingenden Stimme ist er im Radio und zunehmend auch in den ERF Fernsehsendungen zu einem vertrauten und gern gehörten Moderator geworden. Diese Eigenschaften weiß auch die Aktion „ProChrist“ zu schätzen, bei der er die europaweiten Übertragungen per Satellit moderiert.
Zu erwähnen bleibt, dass seine Bücher Nebenprodukte des musikalischen und journalistischen Arbeitens sind. Er ist zunehmend auch unterwegs zu Vorträgen in Kirchen und Gemeinden. Der persönliche Kontakt zu Menschen ist ihm zuweilen wichtiger als das Anordnen von Dienstanweisungen. Mit seinem Einsatz möchte er Menschen helfen, die Beziehung Gottes zum eigenen Leben zu entdecken.
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