07.02.2008
Integrativer Unterricht ist für alle ein Gewinn
+ Köln + Die Integration behinderter Kinder in die Regelschule ist seit mehr als 30 Jahren
ein Ziel deutscher Bildungspolitiker. Weit sind wir dabei nicht gekommen. Noch immer werden fast
90 Prozent der behinderten Kinder in Förderschulen unterrichtet, getrennt von den anderen Kindern.
Eine Schule für Alle - geht das? Der Kongress "Eine Schule für Alle" in Köln zeigte,
Das ist keine Utopie, sondern in den Nischen unseres Schulsystems erprobte und erforschte
Praxis.
Doch es gibt viele Eltern, die bei Forderungen nach einem integrierten Schulsystem befürchten, ein gemeinsamer Unterricht behinderter und nicht-behinderter Kinder bringe Nachteile für ihre eigenen Kinder mit sich.
Diesen Eltern möchte ich hier auf einige der am häufigsten gestellten Fragen antworten:
1. Halten die behinderten Kinder ihre Mitschüler beim Lernen auf?
Integration kann nicht gelingen, wenn am Grundsatz festgehalten wird, dass alle Kinder zur gleichen Zeit das Gleiche lernen müssen. Starre Lehrpläne müssen von individuellen Lehrplänen abgelöst werden. Dafür wird es im Unterricht immer Phasen von Gruppenarbeit und Einzelförderung geben. Individuelle Förderung wird möglich durch die eine bessere Personalausstattung und gibt gerade auch den schnelleren Schülern die Möglichkeit, mehr zu lernen. Wir müssen akzeptieren, dass jedes Kind anders ist, anders lernt, andere Stärken und Schwächen hat. Das gilt nicht nur für behinderte Kinder. Auch in den sogenannten "Regelschulen" gibt es keine homogenen Lerngruppen. Die Klassenbesten sind unterfordert, die Schwächeren kommen nur schwer im Lernstoff hinterher. Der Unterricht in heterogenen Gruppen führt also - wenn er pädagogisch sinnvoll gestaltet wird - zu besseren Lernergebnissen auch bei den normal begabten oder schnellen Schülern.
2. Werden die Kinder in den Sonderschulen nicht besser gefördert?
Ich denke: Alles, was eine Förderschule kann, kann eine normale Schule auch. Es kommt nur auf die Ausstattung an. Integration heißt nicht, dass auf eine sonderpädagogische Förderung verzichtet werden kann, sondern: Die Förderung kommt zum Kind in die Schule, nicht das Kind zur Förderung. Um behinderte Kinder zu integrieren, werden die allgemeinen Schulen sich ändern müssen - durchaus auch zum Vorteil der nicht-behinderten Kinder.
3. Es gibt aber doch Kinder, die nicht integrationsfähig sind?
Drücken wir es einmal anders aus: Es gibt Schulen, die nicht integrationsfähig sind. Weil sie nicht genügend Lehrer und Sonderpädagogen haben. Weil die Architektur nicht stimmt. Weil Therapeuten und medizinisches Personal außen vor bleiben.
4. Wie soll das alles bezahlt werden?
Vorweg: Integration ist ein Menschenrecht. Dass Menschenrechte zu teuer seien, kann ernsthaft kein Argument sein. Allerdings: Wir müssen umverteilen. Weg von den Sonderschulen hin zur inklusiven Schule in der alle Kinder - ob behindert oder nicht - optimal gefördert werden.
Wolfgang Blaschke
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