07.02.2008
Berti
Vogts: So
wurde ich
ein Christ

VERS 1-Interview mit Berti Vogts
+ Bergheim - Er wuchs in einer christlich geprägten Familie auf, wurde ein erfolgreicher Fussballspieler und Trainer. Auch heute betet er noch an jedem Morgen und an jedem Abend. Im Interview mit VERS 1 erzählt Berti Vogts von seinem Glauben.
Herr Vogts, was machen Sie eigentlich zur Zeit?
Ich bin als internationaler Experte unterwegs. Ich bin für das DSF tätig und was ich in der Zukunft mache da muss man in den nächsten Wochen oder Monaten abwarten, ob sich etwas tut. Ich wohne inzwischen wieder in meinem Zuhause zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach.
Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in Ihrem alltäglichen Leben?
Berti VogtsIch sage einfach, ich bin gläubiger Christ. Ich gehe unregelmäßig-mäßig in die Kirche, Es kann sein alle 14 Tage manchmal alle drei Wochen. Ich brauche keine Kirche um gläubig zu sein. Ich bete mein Gebet am Abend und am Morgen und bin doch sehr verbunden mit dem lieben Herrgott.
Wie sind Sie christlich sozialisiert worden? Einfach als Kind hineingewachsen oder gab es eine besondere Gelegenheit, nach der Sie begonnen haben, sich mit Ihrem Glauben und Gott auseinander zu setzen?
Zunächst war das ja eine Entscheidung, die man gar nicht beeinflussen kann und bei mir eine gute Entscheidung meiner Eltern. Man ist getauft worden und so wurde ich katholisch. Man kam auf die katholische Schule und so bin ich praktisch darin hineingewachsen oder auch hineingelebt.
Dann kam die erste heilige Kommunion und so bin ich auch Messdiener geworden. Man hat da ja gar keine Chance gehabt etwas dafür oder dagegen zu tun. So bin ich immer weiter in die katholische Kirche hineingewachsen. Ob das richtig ist oder falsch - hier müssen die Eltern die Entscheidung treffen und das war von meinen Eltern eine ganz gute Entscheidung und so habe ich auch meinen Sohn taufen lassen.
Haben Sie den Glauben auch an ihr Kind weitergegeben?
Ich habe das an meinen Sohn weitergegeben. Er lebt jetzt in Schottland, aber auch er betet jeden Tag und wenn wir zusammen im Ausland sind gehen wir zur Kirche. Aber man kann das nicht erzwingen. Es muss von ihm kommen und jeder Druck, den man da aufbaut, ist falsch.
Sie waren viel im Ausland unterwegs und hatten viele Kontakte auch zu fremden Kulturen und Religionen. Am extremsten vielleicht im Kuwait. War es ein Problem, in einer fremden Kultur mit einer fremden Religion zu leben?
Eine schwierige Frage. Man geht nicht mit 20 Jahren ins Ausland, man hat sich darauf vorbereiten können, man hat sich informiert. Ich habe lange gezögert, aber ich bin dann doch rübergegangen. Wenn man die Bereitschaft mitbringt eine andere Religion zu respektieren, sich dementsprechend auch einzuordnen, dann gibt es gar keine Probleme. Aber wenn man weltfremd dorthin geht und nur auf seine eigene Meinung Wert legt, dann hat man im Ausland und vor allem in einer extrem anderen Kultur keine Chance. Ich habe dort mit jungen Menschen gearbeitet, es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht, aber man muss sie respektieren wie sie leben, wie sie für ihre Religion leben. Wie sie wirklich auch das Gebet suchen.
Ich habe dort auch im Ramadan gelebt. Wir machen und hier ein ganz falsches Bild davon. Ramadan bedeutet ja, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf man nichts zu sich nehmen. Aber nach Sonnenuntergang werden dort ja riesige Nachtpartys gefeiert, es werden ganze Lager aufgeschlagen in der Wüste. Ich glaube, dass man im Ramadan mehr zunimmt als abnimmt. Ich glaube dass ich hier mehr faste in der Fastenzeit, als die Muslime. Jeden Abend ist ein Fest dort, es wird nicht gefeiert, aber ein Gelage abgehalten in der Wüste, das war für mich schon überraschend.
Es ist ja inzwischen schon fast ein geflügeltes Wort, dass Fußball gar kein Sport, sondern eine Religion sei. Sind Fußballer empfänglicher für den Glauben und Religion?
Man muss das jetzt unterscheiden. Die, die sich damit ich hätte schon fast gesagt echauffieren, sind ja die Brasilianern. Nach einem Torschuss oder einem gewonnen Spielzug. Sie leben damit. Ich kenne viele von ihnen, ich habe in auch in Leverkusen mit vielen von ihnen zusammengearbeitet. Das sind unheimlich liebe Kerle. Ich kenne viele, die da Bibelstunden abhalten. Sie finden so ihre innerliche Stärke mit ihrem Gesprächen mit Gott und ihrem Gespräch in der Gruppe. Das muss man so akzeptieren.
Etwas anderes ist es, als ich in Schottland war über drei Jahre. Da gibt es die Keltics, das sind die Katholiken und die Rangers, das sind die Protestanten. Da ist Fußball wirklich eine Religion, da ist es sehr, sehr fanatisch. Es kann ja nicht sein, dass in einen Club nur Protestanten aufgenommen werden und in den anderen nur Katholiken. Da geht es nicht immer sachlich und vernünftig zu. Das sind dann keine Spiele mehr zwischen Keltics und Rangers sondern zwischen Katholiken und Protestanten und so wird das auch vor und nach dem Spiel in die Pubs ausgetragen. Nach dem dritten oder vierten Bier, wird daraus Fanatismus und das ist nicht in Ordnung.
In der Öffentlichen Meinung werden zumindest hier in Deutschland eher die Moslems als Fanatiker wahrgenommen. Es klingt so, als seien Ihre Erfahrungen als Trainer unter den Christen viel extremer gewesen als unter den Moslems.
Das hängt von dem jeweiligen Ergebnis der beiden Mannschaften ab. Diese Mannschaften spielen ja bis zu sechs mal im Jahr gegeneinander, in den verschiedenen Liegen und Pokalrunden. An den Wochenenden ist es dann schon extrem zwischen Protestanten und Katholiken. Man hat da auch schon versucht einige neue Wege zu gehen.
Aber wenn diese heißen Spiele vorbei sind, dann ist man auch wieder eine Nation, man verbrüdert sich wieder und ist nur Schottland um gemeinsam gegen die Engländer anzutreten.
Ich war auch in Nordirland ein paar Wochen, da ist es auch eine Art Ventil den der Fußball hier bietet, um das loszuwerden. Das kann man gutheißen oder auch nicht.
Und in Kuwait?
Ich muss sagen, die Moslems haben mich mit meinem Glauben respektiert, genauso wie ich respektiert habe, dass wenn der Sonnenuntergang kam, und ich Spielen anfangen wollte, dass die Jungs dann erst mal beten wollten und sagen: Trainer wir gehen Beten. Da kann man nicht sagen, wir machen jetzt Training. Das hat etwas mit Respekt zu tun gegenüber einer anderen Religion, den man auch entgegenbringen muss.
In diesem Punkt sehe ich auch eine große Chance für unseren Papst.
Ich bin wirklich begeistert von seinem Auftritt in Deutschland. Ein Freund von mir hatte auch ein Gruppe von etwa 80 Gästen in Wuppertal untergebracht. Die jungen Leute kamen aus Afrika und Südamerika und was mich wirklich sehr überrascht hat, es waren auch einige Nicht-Katholiken dabei. Die waren alle sehr angetan von unserem Papst. Wir haben sehr viel miteinander diskutiert. Ich habe da sehr gute Hoffnungen in ihn und dass er hier auch auf die Protestanten und andere zugeht und man sich nicht all zu kritisch beäugt.
Waren sie auch auf dem Marienfeld?
Nein, ich war nicht auf dem Feld sondern hier auf dem Bauerhof, wo die Leute untergebracht waren und von hier die Ereignisse verfolgt.
Er hat schon eine Aura. Man hatte fast die Tränen in den Augen, als der Papst ankam auf dem Rhein mit dem Schiff und wie er alle begrüßt hat - er ist ja fast über das Wasser gelaufen!
Sie meinen diese unglaublichen Bilder, als die Menschen ihm ins Wasser fast entgegengelaufen sind...
Es gibt ja auch so eine Passage in der Bibel, das Gehirn speichert das irgendwo und man ruft es in solchen Momenten ab. Dass ein Deutscher überhaupt die Stärke gibt als Papst und als Oberhaupt der Katholischen Kirche, das war für mich schon sehr, sehr beeindruckend. Das war für mich ganz eindeutig das Highlight im Jahr 2005
Herr Vogts, Sie feiern in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Wenn Sie Bilanz ziehen: Gibt es etwas, was Sie in ihrem Leben anders machen würden, wenn Sie die Chance hätten, es noch einmal zu versuchen?
Früher hat man mit 30 schon angefangen, dass man zu alt ist und heute bin ich 60 und denke, wie ist das Leben doch schön.
Nein, wenn ich noch einmal die Möglichkeit hätte den Schalter umzulegen, ich würde das Leben wieder genauso angehen, wie in der Vergangenheit. Da muss man schon dem lieben Gott danken, dass man so ein schönes Leben gehabt hat.
Haben Sie das Gefühl, dass Gott Sie mit Ihrem Talent, Fußball zu spielen, mit einer besonderen Gabe bedacht hat?
Ich habe vom lieben Gott kein Talent geschenkt bekommen. Ich habe Kampfeswille mitbekommen und er hat mir die Willensstärke, den Kampf gegeben. Ich hatte wenig Talent, ich musste kämpfen und mir alles hart erarbeiten. Talent, das sind Spieler, die wirklich wenig trainieren müssen, um optimale Leistung abzurufen. Das war bei mir genau umgekehrt.
Der liebe Gott hat es mir nicht einfach gemacht. Er hat mit sehr früh die Eltern genommen mit 10 und 10-einhalb Jahren aber er hat schon gewusst warum.
Herr Vogts noch eine unvermeidliche Frage zum Schluss: Wer wird Fußball-Weltmeister?
Die Hoffnung ist Deutschland aber es wird sehr schwer.
Ihre Prognose demnach für die WM?
Finale Deutschland Brasilien und Deutschland gewinnt.
Ihr Wort in Gottes Ohr Herr Vogts!
Genau!
Dann hoffen wir, dass wir in Deutschland trotz angeblich so maroder Stadien eine schöne WM feiern können.
Das ist eine Unverschämtheit mit den Stadien. Ich finde es unglaublich, nur weil eine Stufe mal 30 Zentimeter zu kurz oder zu lang ist das ist der Deutsche!.
Herr Vogts, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.
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