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EUROPA
07.02.2008

So verändert sich die Familie in Europa

+ Rom - Zum 1. Europäischen Familienkongress hatte das Institut für Frauenstudien im März nach Rom eingeladen. Was dort über die Entwicklung der traditionellen Familie in Europa zu hören war, ist besorgniserregend.



von MARIA VOGEL

Bevor ein Arzt die richtige Therapie verschreibt, muss er zunächst einmal die richtige Diagnose stellen. Und so richtete der Eingangsvortrag der Spanierin Lola Velarde (Foto), Präsidentin des spanischen Instituts für Familienpolitik (IPF), den Blick auf eine Vielzahl unerfreulicher Entwicklungen in den Staaten der EU. Damit auch in Deutschland klar wird, über was wir sprechen, wenn es um eine europäische Familienpolitik geht, nachfolgend einige Fakten der großen Untersuchung über die Entwicklung in Europa:

" Von 1994 bis 2005 wuchs die EU um etwa 14 Millionen Bürger. Davon 12 Millionen durch Immigration. Konkret: Durch Geburtenüberschuss beträgt das Wachstum jährlich nur noch etwa 290.000.

" Im Jahr 1980 lebten 36 Mio. Kinder unter 14 Jahren mehr in der EU als Menschen über 65 Jahren. Seit 2004 gibt es mehr Senioren als Kinder. Insbesondere in den katholisch gesprägten Ländern Italien, Spanien und Portugal gibt es die wenigsten jungen Menschen. In Irland und Zypern ist der Anteil Jugendlicher an der Gesamtbevölkerung am höchsten.

" Italien, Deutschland und Griechenland sind die Länder mit dem höchsten Altersdurchschnitt der Bevölkerung.

" Im Jahr 2005 wurden in der EU 870.478 Babies weniger geboren als noch 1982  ein Rückgang von 15,3 Prozent.

" Die Geburtenrate in der EU war im Jahr 2004 bei 1,5 Kindern/Frau. Um den Stand der Bevölkerung zu halten, wären 2,1 notwendig. Irland (1,99) und Franreich (1,9) haben die höchsten Raten, Deutschland liegt bei 1,2.

" An jedem Tag werden im vereinten Europa 2.880 ungeborene Kinder Opfer einer Abtreibung  120 pro Stunde, eine Abtreibung alle 30 Sekunden. 17,2% aller gezeugten Babies werden nie geboren.

" Frauen bekommen immer später Kinder. Das Durchschnittsalter liegt bei über 29 Jahren  Spanierinnen bekommen im Schnitt erst mit 30,84 Jahren ein Kind, gefolgt von Irinnen (30,6) und Holländerinnen (30,4).

" Zwischen 1980 und 2004 ist die jährliche Zahl der Eheschließungen um 663.600 gesunken  ein Rückgang um 23,5%. 2.841.700 Hochzeiten waren es 1980, 2004 nur noch 2.178.100.

" Jedes dritte Kind in der EU (31,6%) wird unehelich geboren. In Schweden mehr als die Hälfte (55,4%), gefolgt von Dänemark (45,4%) und Frankreich (45,2%). Die wenigsten unehelichen Geburten gibt es in Griechenland (4,9%) und Zypern (3,3%).

" Alle 33 Sekunden wird in der EU eine Ehe geschieden. Zwischen 1990 und 2004 gab es über zehn Millionen Scheidungen. Gut 16 Millionen Kinder waren davon direkt betroffen.

" Halten Ehen in Spanien im Durchschnitt immerhin 13,8 Jahre, sind es in Deutschland nur noch 10,4, in Österreich 9,4 Jahre. Das sind nur einige Zahlen. Alle Ergebnisse der Studie sind im Internet unter www.ipfe.org nachzulesen. Ausdrückliches Lob gab es von Lola Velarde übrigens für Deutschland. Seit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die EU-Ratspräsidentschaft übernommen habe, sei das Thema Familienpolitik auf der europäischen Tagesordnung. Vorher habe sich niemand ernsthaft um dieses wichtige Thema gekümmert. Viel Beifall gab es in Rom für die Vorträge der beiden deutschen Referenten Jürgen Liminski (siehe Text unten) und Alois K. Fürst zu Löwenstein. Der berichtete aus dem Alltag einer normalen Familie  in Deutschland mit Kindern. So hatten sich einst Gottesdienstbesucher beim Pfarrer beklagt, dass die Enkelkinder während der Messe zu unruhig sein. Der Pfarrer bat Fürst Alois daraufhin im Namen mehrerer Gemeindemitglieder, die Kleinen doch zukünftig sonntags zu Hause zu lassen. Löwenstein: Ich habe ihm geraten, diesen Gemeindemitgliedern die Bibel zu empfehlen. Da steht etwas über Kinder drin... 2008 soll es wieder einen Familienkongress in Rom geben  eine herausragende Initiative. Selten hat man ein Podium erlebt, auf dem so geistreich über die Zukunft der Familie diskutiert wurde.

Übrigens: Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer waren  vornehmlich junge  Frauen. Der christliche Feminismus, über den in Deutschland derzeit viel diskutiert wird, existiert längst.


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