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DEUTSCHLAND
07.02.2008

Kulturkampf im Osten: das Opus Dei naht

NAlarmstufe Rot bei Brandenburgs Linken. Mitten im atheistischen Osten will das Opus Dei ein Jungengymnasium eröffnen.



von ELLI KESSLER

Potsdam Da war sie wieder, diese Frage, der spätestens seit Dan Browns Sakrileg  kein Opus Dei-Mitglied in öffentlichem Disput mehr entgehen kann. Wie das denn mit den Bußgürteln und Selbstgeisselungen sei, wollte ein Mann wissen, der sich als Protestant und Ostdeutscher  vorgestellt hatte. Sein Auditorium: etwa 50 interessierte Bürger, die sich jüngst im Gemeindesaal der Potsdamer St. Antonius Gemeinde eingefunden hatten, um zu erfahren, welche Pläne das katholische Opus Dei für ein Jungengymnasium ausgerechnet im roten Potsdam habe.

Diese Pläne sorgen seit Monaten für Unruhe. Eine Elterninitiative Freie Schulen Brandenburg e. V. möchte unter katholischen Vorzeichen ein Gymnasium nur für Jungs in Potsdam eröffnen. Der Vorsitzende der Gruppe, Christian Rüssel, selbst Vater von sechs Kindern, erläuterte, warum man ein reines Jungengymnasium betreiben will: Mädchen konzentrieren sich leichter und sind kommunikativer.  Es sei wichtig, sich auch besonders um die Entwicklung der Jungen und ihre speziellen Bedürfnisse  etwa nach stärkerer Betonung des Sports  zu kümmern. Die katholische Glaubens- und Sittenlehre  werde Grundlage der Erziehung sein. Und auf Nachfrage ergänzte Opus Dei-Priester Wolfgang Weber: Man wird die Evolutionstheorie darlegen. Aber man wird da vielleicht Fragezeichen setzen, wie bei allen Theorien.  Natürlich wurde auch nach homosexuellen Schülern gefragt ( Das kommt doch überall vor ) und &nach Bußgürteln. Es gibt einige bei uns, die einen Bußgürtel tragen. Das ist eine Marginalie , wehrte Weber ab. Mit der geplanten Schule habe das nichts zu tun.

Im brandenburgischen Bildungsministerium will man spätestens bis Sommer entscheiden, ob ein reines Jungengymnasium gegen die Landesverfassung verstößt. Beobachter sehen für eine Ablehnung des Antrags der Initiative kaum Chancen. So versuchen SPD und PDS im Stadtrat, dem Opus Dei wenigstens mit einer Politik der kleinen Nadelstiche die Lust an Potsdam zu vermiesen. Städtische Grundstücke und Gebäude wird es für das neue Gymnasium jedenfalls nicht geben.

Unterstützung für Rüssel und seine ca. 25 Mitstreiter gibt es dagegen von der Potsdamer CDU. Fraktionsvorsitzender Steeven Bretz erklärte öffentlich: Ich schäme mich für meine Stadt, in der ansonsten so viel von Toleranz die Rede ist.

Für Erstaunen und einen neuen Akzent sorgte Ende Februar Hans-Peter Richter vom erzbischöflichen Schulreferat in Berlin. Der kündigte an, das Erzbistum Berlin wolle nun selbst ein katholisches Gymnasium in Potsdam initiieren  für Jungen und Mädchen. Richter: Wir müssen individuell fördern, nicht nach Geschlecht.  SPD und PDS gegen das Opus Dei, das Erzbistum in Konkurrenz zum Opus Dei und die CDU an der Seite des Opus Dei. In Potsdam ist was los...



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