16.02.2008
Erzbischof Zollitsch ruft zur Revolution
+ Freiburg - Der frisch gewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hat im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" den Zölibat in Frage gestellt und SPD und Grüne gelobt. Damit sorgt Zollitsch gleich vom Start weg für miese Stimmung unter vielen glaubenstreuen Katholiken in Deutschland.
Es sei "theologisch nicht notwendig", dass Priester ehelos leben, sagte Zollitsch dem "Spiegel", räumte aber ein, dass eine Abschaffung des Zölibats einer "Revolution" gleichkäme. Und wohl zu recht stellt er fest, dass ein Teil der katholischen Kirche dabei "nicht mitginge".
Ohne Namen zu nennen, holte der Freiburger Erzbischof gleich noch zum Rundumschlag gegen einige seiner Brüder im Amt aus. Begriffe wie "Gebärmaschinen" bei der Diskussion um Kinderkrippen machten "jede Diskussion im Ansatz kaputt". Mehr Kinderkrippen seien notwendig, "weil viele Eltern sie einfach benötigen". Der Augsburger Bischof Mixa hatte vergangenes Jahr im Zusammenhang mit der von der Bundesregierung geplanten exorbitanten Ausweitung der Krippenplätze davon gesprochen, Frauen würden durch sie zu "Gebärmaschinen" degradiert.
Kritisch äußerte sich Zollitsch auch über die CDU. Die habe sich "stärker neoliberalen Thesen angenähert" und laufe Gefahr, "die soziale Marktwirtschaft oder das Soziale nicht mehr genügend im Blick zu haben." Dass der Bundesrat am Tag zuvor die Initiative des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) zu einer verlängerten Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für ältere Arbeitslose beschlossen hat, ist Zollitsch wohl entgangen.
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