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07.02.2008

Wie gehen Christen mit Parteifreunden um?

Es ist ein Trauerspiel, dass die CSU zum Jahresbeginn vor der erschrocken bis amüsiert reagierenden Öffentlichkeit dargeboten hat. Da wird ein überaus erfolgreicher, wenn auch nicht geliebter, Ministerpräsident über Nacht in die Wüste geschickt, weil sich andere aufstrebende Parteipolitiker auf ihre zukünftigen Karrieren verständigt haben. Und da wird aus einem ganz normalen demokratischen Wettbewerb zweier Kandidaten um den Parteivorsitz eine unwürdige Schlammschlacht.



von JO HARPEN

Der Kampf um die Macht in der CSU und damit auch im Land Bayern hat viele Facetten, die es zu betrachten lohnte, angefangen von der forschen und wohl nicht ganz uneigenützigen Landrätin Pauli aus Fürth über eine mögliche Bespitzelungsaffäre im Auftrag von Mitarbeitern der Staatskanzlei bis, ja bis eben zu der außerehelichen Affäre des Bundesministers und Vorsitzenden-Bewerbers Horst Seehofer.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Deutschlands auflagenstärkstes Massenblatt die Affäre just in dem Moment ausposaunte, als es opportun schien, im CSU-internen Machtgerangel mitmischen zu können. Ob da ein Finsterling aus dem Bayernland der Drahtzieher war oder ob eine Zeitung aus Gründen des Verkaufserfolgs ein schon länger bekanntes Geheimnis öffentlich machte, lassen wir unbeachtet.

Festzuhalten bleibt jedoch: Eine Partei, die sich christlich nennt, muss sich gefallen lassen, dass höhere Maßstäbe an sie angelegt werden. Die Instrumentalisierung persönlicher Probleme  auch Theo Waigel musste da vor Jahren seine Erfahrung mit den lieben Parteifreunden machen  ist einer bodenständigen, christlich geprägten Partei wie der CSU unwürdig. Der ganze Vorgang schreit förmlich nach einem Blick ins Matthäusevangelium, in die Bergpredigt. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist , heisst es dort, doch auf diesen Friedensschluß bei den Christsozialen werden wir wohl bis zur Vorstandswahl im September warten müssen. Es wird lange dauern, bis die geschlagenen Wunden der innerparteilichen Geg-ner verheilt sind.

Kann eine Partei im eigentlichen Sinne überhaupt christlich sein? Ist Politik, also der Kampf um die Macht, überhaupt in Einklang mit der Botschaft von Jesus Christus zu bringen? Kölns Erzbischof Kardinal Meisner mahnt das häufig an und fordert regelmäßig die Union auf, das C im Parteinamen zu streichen. Ist Angela Merkel eine schlechte Bundeskanz-lerin, weil sie zum zweiten Mal verheiratet ist? Ich glaube nicht.

Und Horst Seehofer? Er muss sich den Delegierten und seinen Wählern stellen  sollen die entscheiden, ob sie sein Privatleben mit dem Parteiamt in Einklang bringen können. Über die Frage, wie das Verhalten des Ministers moralisch zu werten ist, entscheidet ein ganz anderer.



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